Welche Zielgruppe hat Magento?

Wenn man sich die aktuelle Diskussion um die Performance-Problematik einmal anschaut und mitliest, welche Lösungen bisher von Varien angeboten werden, stellt sich mir die Frage, ob der Otto-Normal-Onlinehändler bei der Konzeptionierung des Systems jemals im Zentrum des Interesses gestanden hat. Die Entwicklung von Magento hat eine Menge Geld gekostet, einen Stamm von Programmierern kann man über einen längeren Zeitraum sicher nicht nur mit dem Pizzaservice motivieren. Ich kann mir daher nur schwer vorstellen, dass man das Performance-Problem die ganze Zeit einfach nicht bemerkt hat. Auf die Geschwindigkeits-Thematik hat Varien jedoch von Anfang meistens nur mit dem Hinweis reagiert, man möge doch den Cache aktivieren und entsprechend den Empfehlungen die Serverkonfiguration ändern. Doch ein Cache will nun mal erst gefüllt werden und nicht jeder hat die Möglichkeit oder die Kenntnisse, einen (oder sogar mehrere) Server entsprechend zu konfigurieren (mal abgesehen davon, dass keine der vorgeschlagenen Wege bisher zu einem “Heureka”-Effekt geführt und das Problem vollends gelöst hat).

Nun werden einige vielleicht einwenden, wer auf seinem Server nicht die neueste Version von PHP installieren und die MySQL-Konfiguration ändern kann, meint es mit seinem Magento-Onlineshop vielleicht nicht so ernst. Und auch Roy Rubin vermerkt in einem Thread zur Performance-Problematik (wenngleich auch seltsam schwurbelig): “In optimal environments, we are extremely pleased with the results and the product is more than ready for prime time.” Dann muss man aber auch ganz klar sagen: So lange man kein entsprechendes Hosting-Budget und einen findigen Server-Administrator hat, ist Magento eben langsam. Punkt. osCommerce konnte und kann man, bildlich gesprochen, auf jedem Schuhkarton installieren und bekommt einen flotten Shop, dem auch ein größerer Produktkatalog nichts anhaben kann – Magento spielt da in einer ganz anderen Liga.

Auch andere Faktoren lassen den Schluss zu, dass Varien mit seinem Produkt nicht Lieschen Müller ansprechen möchte, die nach einer 1-Klick-Installation von osCommerce bei ihrem Massen-Hoster anfängt, selbstgestrickte Socken zu verkaufen. Magento ist beispielsweise so konzipiert, dass hierarchisch aufgebaute Multishoplösungen aufgebaut werden können, um beispielsweise Produkte auf den verschiedensten Märkten platzieren zu können. Damit spricht es vor allem etablierte Onlineshops größerer Unternehmen an, die möglicherweise multinational operieren.

Dies und die Tatsache, dass Varien bereits eine ausgefeilte kostenpflichtige Supportstruktur aufgebaut hat zeigt meiner Meinung nach, dass Magento in erster Linie ein Konkurrenzprodukt für kommerzielle Software-Lösungen im eCommerce-Bereich ist und nur sehr eingeschränkt als Alternative für osCommerce und seinen Forks taugt.

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