Magento: neue Ausrichtung?

Zum Anlass der Veröffentlichung der Enterprise-Version möchte ich mir ansehen, wie sich Magento auf dem Markt positioniert und welche Zielgruppe es mittlerweile anspricht. Einen ersten Hinweis darauf gibt die neue Produktvergleichsseite, auf der Varien die wichtigsten Merkmale der Enterprise- und Community-Version gegenüberstellt. Bei ersterer liest man “Corporations and other organizations looking for a production-ready, enterprise ecommerce solution”, bei letzterer findet man “Small businesses looking for state-of-the-art ecommerce solution”. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass hier zumindest teilweise Marketingleute diesen Formulierungen Pate standen, finde ich es doch bemerkenswert, auf einmal von “small businesses” zu lesen. (Die Tatsache, dass man bei der Enterprise-Version explizit von “production-ready” spricht, könnte außerdem sprachlogisch Spitzfindige zu der Frage hinreißen, ob denn die Community-Version nicht produktiv einsetzbar ist.)

Was genau sind  “small businesses”? Gab es nicht vor Veröffentlichung der neuen Version bereits eine klare Enterprise-Ausrichtung? Und war nicht genau diese Ausrichtung ein Grund dafür, die Komplexität der Programmierung und die anspruchsvolle technische Infrastruktur – sprich das Hosting – zu rechtfertigen?

Variens Schritt, mit einer kommerziellen Version neue Kundenkreise erreichen und damit eine weitere Möglichkeit schaffen zu wollen, das für die Entwicklung von Magento benötigte Investitionskapital wieder zurückzuverdienen (ich halte es übrigens in diesem Zusammenhang für einen Mythos, dass selbst eine erfolgreiche Webagentur wie Varien in der Lage ist, ein solches Mammutprojekt wie Magento neben dem laufenden Tagesgeschäft sozusagen aus der “Portokasse”  zu stemmen), halte ich für völlig legitim. Auch für den Open-Source Bereich gilt “there’s no such thing as a free lunch”; wenn man schon als wirtschaftlich denkendes und handelndes Unternehmen eine E-Commerce-Software herausgibt, die ihresgleichen sucht, muss sich dies über kurz oder lang auch rentieren.

Spannend bleibt in diesem Zusammenhang die Frage, wie die Community auf die Kommerzialisierung  reagieren wird. De facto haben nun alle diejenigen, die Magento getestet, Bugs gemeldet und ihre Anregungen eingebracht haben, mitgeholfen, eine Software zu erstellen, die – aufgepeppt mit exklusiven Zusatzfunktionen, nach denen sie sich die Finger lecken würden – nun verkauft wird.

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